Heilpflanzen – heute noch „in“?

Die Verwendung von Pflanzen zur Heilung ist schon aus der frühen Menschheitsgeschichte bekannt. Erste Aufzeichnungen darüber wurden aus der Bronzezeit gefunden, um 4000 vor Chr. Der Mann vom Hauslabjoch, auch „Ötzi“ genannt, aus der Jungsteinzeit (ca. 3300 v. Chr.) führte Birkenporlinge mit sich. Das sind Pilze, die zur äußerliche Wundauflage verwendet wurden und entzündungshemmend wirken.

In vielen anderen Kulturen gab es auch nachweislich ein reichhaltiges Wissen um Heilpflanzen und ihre Anwendung, so z.B. bei den Ägyptern und Griechen.

Etwa 40-90 nach Chr. schrieb Pedanios Dioskoridis das erste Buch mit Beschreibungen von über 600 Pflanzen, darunter viele Heilkräuter, und fügte farbige Zeichnungen dazu. Dieses Buch war das Standartwerk der Medizin bis zum 17. Jh. und hatte Vorbildcharakterfür spätere Kräuterbücher durch die Methode der Pflanzenbeschreibung. So erfasste Dioskoridis den Namen und Synonyme der Pflanze, Herkunft, botanische Beschreibung, medizinische Eigenschaften, Zubereitung und Anwendung, evtl. auch Lagerung der Pflanzen. Davor wurden Pflanzen nur nach Namen und evtl. Wirkung sortiert.

Das Wissen der Antike geriet zwischenzeitlich in Vergessenheit und wurde erst im 15. Jh. wiederentdeckt, u.a. von Paracelsus.

In Europa hatten die Kelten viel Wissen und Erfahrung mit den Wirkungen von Heilpflanzen und gaben dieses auch an andere Völker, z.B. die Germanen, weiter. So entstand die Volksmedizin.

Das überlieferte Wissen wurde von Mönschen und Nonnen aufgeschrieben. Am Bekanntesten ist heute noch Hildegard von Bingen, deren zahlreiche Werke weiterhin aufgelegt werden.

Wegbereiter der „Phytotherapie“= Pflanzenheilkunde wie wir sie heute kennen waren z.B. der Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle und Sebastian Kneipp. Bekannte Kräuterfrauen von heute sind Eva Aschenbrenner, Ursel Bühring oder die Maulbronner Kräuterhexe Gabriele Bickel.

Auch heute, im Zeitalter von Fertigtee und – arzneien lohnt es sich, sich mit Pflanzen zu beschäftigen. Dabei ist es auch wichtig ein Augenmerk auf die  Gestalt der Pflanze zu richten. Diese führt uns oft zur Heilanwendung. Ist die Pflanze mit langen Wurzeln im Erdreich verankert und läßt sich schwer ausreissen, wie z.B. der Löwenzahn. Dann hilft sie bei tief verwurzelten, hartnäckigen Erkrankungen. Löwenzahnwurzel wirkt u.a. auf die Leber und hilft bei der Entgiftung und Loslösung von Schwermetallen.

Oder nehmen wir die Rose. Sie hat sowohl Dornen, die zur Abwehr und Verteidigung dienen, als auch samtig weiche Blüten mit betörendem Duft. Das ätherische Öl der Rose ist eines von wenigen, die bei Neugeborenen angewendet werden dürfen. Es schützt das Neugeborene seelisch und läßt es auf der Erde ankommen, hüllt es samtig ein beruhigt es und regt alles Sinne für Neues an.

Noch ein Beispiel – der Thymian. Eine Pflanze mit festem Kraut, das man nur mit viel Mühe ausreißen kann. Thymian wächst auf kargem, felsigem Boden, braucht wenig Wasser und viel Sonne und ist sehr widerstandsfähig. Er ist u.a. krampflösend, speziell bei extrem festsitzendem Husten, stärkend und entzündungshemmend. Außerdem verleiht er seelisch Kräfte, den „Mut des Adlers“ und gilt wegen all seiner segensreichen Eigenschaften als die Hausapotheke der armen Leute.

Pflanzen wirken auf Körper, Seele und Geist. Körperlich wirken sie entwässernd, durchblutungsfördernd, krampflösend – seelisch umhüllen, wärmen und stärken sie – und geistig beruhigen sie oder machen den Kopf frei .. und vieles mehr.

Vielleicht bist Du neugierig geworden und schaust Dir die Pflanzen im Garten oder am Wegrand einmal genauer an.

(Foto:  S. Hamdy)

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